LVH: Das wahre Problem der Zahlungsfristen

Die neue EU-Richtlinie zur Regelung der Zahlungsfristen soll das Rad der Wirtschaft wieder zum Drehen bringen. Die Handwerker im LVH sind skeptisch und machen auf die wahren Schwierigkeiten mit der Zahlungsmoral aufmerksam.

Foto: LVH

Maximal 30 Tage dürfen in Zukunft bis zur Bezahlung von Rechnungen zwischen Unternehmen und öffentlichen Stellen vergehen. Dies war das zentrale Thema einer Informationsveranstaltung des Landesverbandes der Handwerker in Zusammenarbeit mit dem EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann. Obwohl die Handwerker die neue Maßnahme der Europäischen Union zur Wirtschaftsankurbelung grundsätzlich begrüßen, wiesen sie auf die wahren Probleme der langen Zahlungsfristen hin. „Bis der Handwerker die Rechnung stellt bzw. stellen kann, vergeht sehr viel Zeit“, erklärte LVH-Präsident Gert Lanz und berichtet über die Vorleistungen, die der Handwerker bis zum Erhalt des ersten Geldes erbringen muss. „Zuerst muss das Rohmaterial bestellt werden, anschließend erfolgt die Bearbeitung bzw. Produktion und letztendlich die Lieferung oder Montage. Erst dann erfolgt die Rechnungstellung. „Das sind sehr lange Wege und Zeitspannen, in denen der Handwerker keine Vergütung erhält“, so Lanz. Eine mögliche Lösung, um die langen Zahlungsfristen zu verkürzen seien zum Beispiel Akkontorechnungen oder Teilrechnungen. Überzeugt, dass die neue EU-Richtlinie den Unternehmen wieder Liquidität verschaffen und die Wirtschaft beleben werde, zeigte sich Herbert Dorfmann. „In Deutschland verbesserten sich die Zahlungsfristen im Jahr 2008/2009 wesentlich“, so Dorfmann. Während Italien laut einem statistischen Vergleich mit 170 Tagen die schlechteren Zahlungsziele als Griechenland hat, kommt das Land Südtirol seinen Zahlungen fristgerecht nach, illustrierte der Direktor der Landesabteilung Finanzen Eros Magnago. Dass die Gelder zur Unterstützung der Unternehmen verwendet und daher kurze Wege haben und in Südtirol bleiben müssen unterstrich auch Vizegeneraldirektor der Südtiroler Sparkasse Richard Seebacher. Renate Gebhard, Abgeordnete zum italienischen Parlament rief die Handwerker auf, sich mit jeglichen Geschäftspartnern vertraglich gut abzusichern und Ratenzahlungen schriftlich zu vereinbaren, um unerwartete Nichtzahlungen zu vermeiden. Um die lokale Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, sei es vor allem im Bereich der öffentlichen Ausschreibungen notwendig, mehr in Gewerke auszuschreiben, betonte Lanz. „Nur so können wir wieder Vertrauen gewinnen und eine gesunde Wirtschaft leben.“

Quelle: suedtirolnews

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