Immer mehr Frauen ohne Job

Im zweiten Quartal 2013 ist die Zahl der arbeitslosen Frauen in Südtirol dramatisch gestiegen – um quasi 80 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012. Der starke Negativtrend, der aus den Erhebungen des Landesstati sti ki n stituts Astat hervorgeht, wird von der Landesabteilung für Arbeit und vom Arbeitsförderungsinstitut (AFI) bestätigt. Die Daten bedürfen allerdings einer genaueren Interpretation. Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 haben weltweit 13 Millionen Frauen ihren Job verloren. Und in den kommenden Jahren dürfte sich die Situation kaum verbessern, so der Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dabei steigt nicht nur die weibliche Arbeitslosigkeit. Es nimmt auch die Zahl jener erwerbstätigen Frauen zu, die einer prekären Beschäftigung nachgehen. Derzeit liegt der Anteil, immer laut ILO, bei 50 Prozent. Kein Wunder also, dass vor einem solchen Szenario die jüngsten Erhebungen des Landesstatistikinstituts Astat zur Erwerbstätigkeit in Südtirol starke Besorgnis auslöst. Demnach lag die Arbeitslosenquote der Frauen im zweiten Quartal dieses Jahres bei 5,9 Prozent. Knapp zwölf Monate zuvor hatte das Astat allerdings einen Anteil von 3,2 Prozent berechnet. Noch kritischer erscheint die Lage, wenn man die Veränderungen bei den Männern beobachtet. Die gab es zwar auch, die Zahl der Arbeitslosen hat sich im Vergleichszeitraum (lediglich) von 2,7 auf 3,7 Prozent verschlechtert. Mario Giovanacci, stellvertretender Direktor des Arbeits f örderungsinstitutes AFI, sieht die jüngsten Entwicklungen als eine direkte Folge der Wirtschaftskrise. Das, was die Frauen zurzeit erfahren, hätten die Männer bereits durchgemacht, so – vereinfacht ausgedrückt – seine Analyse der Daten. Die Krise habe traditionell eher männliche Sektoren wie Industrie und Bauwirtschaft zuerst getroffen, was man an den sinkenden Erwerbsquoten der Männer in den vergangenen Jahren deutlich ablesen konnte. „Nun kriegen auch andere Sektoren, wie etwa der Dienstleistungsbereich, die schwindende Kaufkraft der Familien zu spüren. Und das wirkt sich wiederum auf die Beschäftigungszahlen der Frauen aus, die bekanntlich gerade in diesen Sparten stark präsent sind.“ Als Beispiel nennt Giovanacci die Einrichtungsbranche. „Obwohl es in der Bauwirtschaft schon lange kriselt, hat der Einrichtungssektor bis vor kurzem relativ gut weitergearbeitet. Die bereits fertiggestellten Häuser wurden ausgestattet. Jetzt beginnt aber auch hier die Nachfrage zu stagnieren.“ Helmuth Sinn, Direktor der Landesabteilung für Arbeit, will die Lage nicht beschönigen. Der Negativtrend bei den Beschäftigtenzahlen der Frauen sei in Südtirol schon spürbar. Dennoch müssten die Daten des Astat genau interpretiert werden. „Die Zahlen beziehen sich auf das zweite Quartal 2013, also auf die Monate April, Mai und Juni. Heuer war Ostern allerdings bereits Ende März. Zum Zeitpunkt der Stichprobenerhebung war die Wintersaison also beendet.“ Dazu komme, dass die Sommersaison witterungsbedingt vielerorts erst im Juli begonnen habe. „Als die Umfrage durchgeführt wurde, waren also gerade die vielen Südtirolerinnen, die im Tourismus arbeiten, zu Hause.“ Erst Ende des Jahres könne man, so Sinn, nach Auswertung aller Daten und Informationen feststellen, welche Sektoren effektiv vom Rückgang betroffen seien. SVP-Frauenchefin Angelika Margesin zeigte sich zu Wochenbeginn in einer Presseaussendung alarmiert über die AstatZahlen. Die Kammerabgeordnete Renate Gebhard begr üßte hingegen das Vorhaben der Regierung, besondere Maßnahmen zur Bek ämpfung der Frauenarbeitslosigkeit in das zweite Beschäftigungsdekret einbauen zu wollen. Ein Vorhaben, das am Dienstag in Bozen auch von Arbeitsminister Enrico Giovannini bestätigt wurde.

Quelle: Wiku 11.09.2013

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