Barbara Prammer (1954-2014): Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild

Barbara Prammer

Barbara Prammer ist nicht mehr. Die SPÖ-Politikerin und Präsidentin des Österreichischen Nationalrates ist am 1. August ihrem schweren Krebsleiden erlegen. Mit Barbara Prammer haben wir  eine ruhige, sachliche und souveräne, aber durchaus hartnäckige Vordenkerin und Vorkämpferin verloren, die uns in vielerlei Hinsicht Vorbild war und ist.

Wer das Glück hatte, die Nationalratspräsidentin kennenzulernen – wie etwa die Frauen in der Südtiroler Volkspartei im Jahr 2005 in Wien oder 2011 am Brenner spürte ihre Überzeugung für ihr Engagement für die Schwachen der Gesellschaft, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihr persönlicher Lebensweg verlief nicht geradlinig und die Umstände haben es Barbara Prammer nicht immer einfach gemacht: Als alleinerziehende Mutter in jungen Jahren wusste sie genau, mit welchen Herausforderungen viele Frauen tagtäglich zu kämpfen haben. Schließlich widmete sie auch ihre Diplomarbeit dem Thema der berufstätigen und arbeitslosen Frauen sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und gewann zusätzliche reale Einblicke in die Lebensumstände vieler Mütter in ähnlichen Situationen.

Ausdauernd, beharrlich und unerschütterlich, aber niemals laut oder selbstdarstellend machte sich Barbara Prammer an verschiedensten Stellen für die Anliegen der Frauen stark: so etwa als Vorsitzende der SPÖ-Frauen, als Landtagsabgeordnete, als Landesrätin, als Ministerin oder Nationalratspräsidentin. Von den zahlreichen Rückschlägen ließ sich die Politikerin nicht entmutigen. Im Herbst 1990 wurde sie zwar für das Amt der Landesrätin nominiert, im Parteivorstand fiel sie jedoch durch. Wenn auch mit leiser Stimme, so vertrat Barbara Prammer stets mit Nachdruck ihre Überzeugungen. 1991 zog sie in den oberösterreichischen Landtag ein und schaffte den Sprung ins Landtagspräsidium.1995 wurde Barbara Prammer Landesrätin für Naturschutz und Wohnbau, verlor dabei die Frauenanliegen nie aus den Augen. 1997 wurde sie in die Bundesregierung berufen und arbeite in den Folgejahren als Ministerin für Frauen- und Konsumentenschutz. Seit 1999 war Barbara Prammer Nationalratsabgeordnete, 2004 wurde sie zur Vizepräsidentin des Nationalrates gewählt und seit 2006 hatte sie das Amt der Nationalratspräsidentin inne.

Das Frauenvolksbegehren und die Demokratiewerkstatt mögen zwei Schlüsselpunkte im Leben von Barbara Prammer sein, die uns in Erinnerung bleiben und Richtschnur für die Zukunft sein sollen. Mit dem Frauenvolksbegehren machte die SPÖ-Politikerin auf die Mängel der tatsächlichen Gleichbehandlung zwischen Frau und Mann aufmerksam. Und wenn man sich die Forderungen aus dem Jahr 1997 durchliest, so wird einem einmal mehr bewusst, dass für die Zukunft noch viel zu tun bleibt. Denken wir nur an den Einkommensunterschied. Die Demokratiewerkstatt hingegen sei uns ein Beispiel dafür, wie wir Politik bürgernäher und transparenter gestalten können: Junge Menschen können bei dieser Aktion von Barbara Prammer initiierten Aktion Demokratie und Parlamentarismus hautnah erfahren.

Ein Leben für die Politik, so könnte man Barbara Prammers Wirken beschreiben. Sie war eine „Macherin“, die anpacken konnte, und dank ihres breiten Wissens und ihren Lebenserfahrungen stets konkrete Ansätze vorbrachte. Dabei blieb wohl auch so manches Privates auf der Strecke. Eine Frau, die Größe ausstrahlte und eine Vordenkerin, eine Vorkämpferin und nicht zuletzt ein großes Vorbild. Wir sagen von Herzen „Danke, Barbara!“ und werden ihr Erbe und ihren Auftrag für mehr Chancengleichheit und mehr soziale Gerechtigkeit weiterführen.

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